POPPIG

 

Weißt Du noch,
wie ich Dir die Sterne vom Himmel
holen wollte,
um uns einen Traum zu erfüllen?
Aber
Du meintest,
     sie hingen viel zu hoch ...!
Gestern
streckte ich mich zufällig
dem Himmel entgegen,
und ein Stern fiel
in meine Hand hinein.
Er war noch warm
und zeigte mir,
daß Träume vielleicht nicht sofort
in Erfüllung gehen;
    aber irgendwann ...?!

 

 

 

CALLA

Lass mich in deinem stillen Auge ruhen,
dein Auge ist der stillste Fleck auf Erden.
Es liegt sich gut in deinem dunkeln Blick,
dein Blick ist gütig wie der weiche Abend.

Vom dunkeln Horizont der Erde
ist nur ein Schritt hinüber in den Himmel,
in deinem Auge endet meine Erde

Max Dauthendey
 


FUOCO I

Du weißt ja, wie das ist:
Betrachte ich
den kristallenen Mond, den roten Zweig
des säumigen Herbstes an meinem Fenster,
berühre ich
beim Feuer
die ungreifbare Asche
oder die runzeligen Körper des Holzes,
bringt mich das alles zu dir,
als wäre alles, was da ist,
Düfte, Licht, Metalle,
nichts anderes als ein Schwarm kleiner Schiffe,
hinsegelnd zu deinen Inseln, die mich erwarten

 

FUOCO II

Doch wenn du
jeden Tag,
jede Stunde
empfindest, dass du für mich bestimmt bist,
mit unverrückbarer Süße,
wenn jeden Tag
eine Blüte aufsprießt zu deinen Lippen,
um mich zu suchen,
ach, meine Liebe, ach, meine,
so wiederholt sich in mir all dies Feuer,
und nichts erlischt in mir, nichts wird vergessen,
meine Liebe nährt sich von deiner Liebe, Geliebter, *
und solange du lebst, wird sie in deinen Armen sein,
ohne die meinen zu verlassen

 


 

SYNAPSE

Mir ist auf der Straße ein sehr
armer junger Mann begegnet,
der verliebt war. Sein Hut war alt,
sein Mantel abgetragen; Wasser
rann durch seine Schuhe. Aber
Sterne zogen durch seine Seele


Victor Hugo

 

 

DATEN-HIGHWAY

 

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Spieler hat uns in der Hand?
O süßes Lied.


Rainer Maria Rilke

 

 

ER-SIE-ES

Es kocht der Planet seiner Freiheit entwöhnt
Sprengt er das Krustengewirk
Brodelnde Bäche von Flammen gekrönt
Stürzen hinab vom Gebirg
 

Hervor bricht die feurige Urgewalt
In donnernden Explosionen
Ergießt sich über der Erde Gestalt
Um über dem Lande zu thronen
 

Wirbelweißglut, Feuerfluten
Flüssig-heißes Urgestein
Plasmablasen, Berge bluten
Nacht erhellt vom Lavaschein

 

DAY-DREAM

 

Sachte gleiten surreale Träumereien aus feuchten Händen
Bebende Gefühlswallungen pfänden was nie geschah
Illusionen flüchten aus eingerissenen Traumwänden
während sich der glitzernde Horizont offenbart

Tausende Ideen verschmelzen in fokussierten Zielen
Trennen Träume auf, absorbieren die Energie
meine Gedanken, die einst mir zum Opfer fielen
hinterlassen zum Abschied sarkastische Blasphemie

 

BEGINN

 

Regen strömt vom Himmel
und nimmt mir die Sicht
Alles verschwimmt in den
Fluten Nur die Wolkenwand
vor mir hat ihre erschreckende
Deutlichkeit bewahrt Doch plötzlich
versiegt der Regen Die Sonne tritt
hervor und hüllt alles in ein strahlendes
Licht Die Bäume leuchten in ihrem Grün Und
verhöhnen die dunkle Wolkenwand Die
Verschleierung ist einer übernatürlichen
Schärfe gewichen Das Licht hat den Schatten
besiegt!

 

 

ANALOG

Ein Käfig aus eiskalten Flammen geschmiedet
Den Himmel in die Hölle gezerrt
Meine Seele im glühenden Eise siedet
Im Buch des Lebens nur der Tod vermerkt

Der Seele Rückgrat ist zerbrochen
Mein Herz wird durch den Sumpf gezerrt
Pharagraphenstiefel mein Genick gebrochen
Mein Leben in den Hades der Gesetzte gesperrt

Hausmann


 

FLUKTUATION

frontformloses gezeter
bezugpunktloses scheiden
von schwafelnden fortschritttripplern
echt ächtlos verechtlich ersatzlos
wirklichkeiten in verwesung foltern
gewohnheitsschwächen töten
st schon gut
wenn du keine scheisse im darmst
bishierhergehöriges wissen und können überrumpeln
s grenzt an umweltverschmutzung
draufhin lange spiegelsitzen
ähnlichkeiten überlappen die wahrheit


Bert Papenfuß-Gorek

 

CAR-WASH

 

Fahlgrünes Licht
Auf bewegtem Wasser.
Tränen, sie fallen leise
vom Himmel herab.
Traurig bin ich,
allein unter Freunden
und zolle dem Regen
mehr Beachtung als mir selbst.

Gleichgültig beobachte ich,
wie meine eigenen Dornen mich zu erstechen drohen.
Doch ich habe Zeit.
Unendlich viel Zeit.

Denn Regen wird fallen,
Regen, der sanft scharfe Konturen weich zeichnet.
Und er fällt, taucht ein in dunkle Tiefen des Vergessens.
Und ich lasse mich mittragen.
 

 

Protagonisten des Augenblicks



Von Rot gefärbt, wie herber Wein
meine Lippen lachen dir in die Augen.
Meine Haare, schwarz vor Wonne,
fallen dir warm und feucht auf den Hals.

Rot ist das Kleid, gleich herbem Weine
Und wirbelt wie mit einem Peitschenschlag,
während deine Beine, schwarz von Tango,
die Luft durchschneiden, mich drehen machen.

Unser Tanz wächst, dehnt sich aus,
wie ein Fleck von kräftigem und herbem Weine.
Die Paare - schwarze Schatten, verfliegen,
das Parkett glänzt, ist glatt wie Eis.

Wir sind die Protagonisten des Augenblicks,
deine Umarmung vertreibt meine Gedanken.
Schwarz von Tango bewegt sich dein Körper,
rot, stechend, der meine, bebt im Tanze.

 

Reise durch die Zeit

 

Psssst

Träume deine Träume in Ruh.
Wenn du niemandem mehr traust,
Schließe die Türen zu,
auch deine Fenster,
Damit du nichts mehr schaust.
Sei still in deiner Stille,
wie wenn dich niemand sieht.
Auch was dann geschieht,
Ist nicht dein Wille.
Und im dunkelsten Schatten
Lies das Buch ohne Wort.
Was wir haben, was wir hatten,
Was wir - -
Eines Morgens ist alles fort.

 

OVULUM

deine Augen strahlten Licht
und meine Seele
wurde hell

dein Herz erzählte Glück
und meine Träume
lächelten leise

dein Mund küsste Leben
und meine Hoffnung
begann zu atmen

 

 

 

Schwarzer Wald

 
verzweifelt betrete ich deine Welt
der Boden noch vom letzten Regen nass
erstickt meine Schritte
und verschwimmt vor meinen Augen
als meine Gefühle mich überschwemmten
mir die Tränen übers gesicht fliessen
die grauen wolken gen ostern ziehen
um der sonne platz zu machen
Schwarzer Wald
erstrahlst in dem Licht
wirst freundlich
tröstest mich
doch selbst du kannst
nicht den Schmerz in meinem
Inneren betäuben
und mich vergessen lassen
was passiert
Schwarzer Wald
nun grün und erhellt
hilf mir hinaus aus
dieser Qual
Lasse auch mich
glücklich werden,
hilf mir, mich nicht
mehr selbst zu vernichten
und aufzuhören zu weinen
verzweifelt betrat ich dich,
verzweifelt verliess ich
dich, mit den Worten
"Dir vertrau ich mein leben an"

 

 

 

PHYSALIS

 

Weißes Licht
Genarbte Kugel
Der Ferne Auge
hoch am Himmel
Silberquelle
Lichtoase
Insel in der
Finsternis
Nachtgestirn
Erbleichte Sonne
Heller Zauberstein
im Nichts
Geheimnisstreuer
Sternenmitte
Lichtloch in der
Dunkelheit